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Lehm im Bauhandwerk

Joseph Ascher bei dem Einbringen der Haselnussäste im Backhaus von KirchgönsIm Mittelalter erwies sich das Handwerk als das gesündeste Element des Bürgertums. Es stellte eigene Gesetze auf und brachte die deutschen Städte zur höchsten Blüte. Von Glaubensfreudigkeit erfüllt, stellte es sein
Tun und Treiben in den Dienst der Religion. Handwerk stand und steht auf festem Grund. Handwerk hinterlässt überall, wo es tätig ist, sichtbare Spuren. Mittlerweile hat man erkannt, dass auch das „Dorfhandwerk“ beachtliche Kulturleistungen hervorgebracht hat, unter denen das Bauernhaus das größte Gemein- schaftswerk dörflichen Handwerks war. Hierbei sind vorrangig die Zimmerleute zu nennen,
durch deren Handwerkskunst diese Häuser entstanden. Die Tradition des Fachwerkbaues reicht in Deutschland bis ins Spätmittelalter zurück. Dementsprechend groß ist die Zahl der dörflichen Fachwerkhäuser.

Joseph Ascher bei dem Einbringen der Haselnussäste im Backhaus von Kirchgöns


Keine Bauweise ist wahrhaftiger als der Holzbau. Er zeigt nach außen deutlich sichtbar die innere Einteilung des Hauses und sein handwerkliches Gefüge. Die Lösung, durch unterschiedliche Konstruktionen Sicherheit und Stabilität in das Haus zu bringen und das ganze mit vielfältigen Ausziertechniken zu versehen, verdient Bewunderung.

Das Einbringen der Lehmstakung, auch gewöhnlicher „Lehmschlag“ genannt, wurde in der Regel von den Hausbesitzern und deren Familien durchgeführt. Später übernahmen Maurer, Verputzer und Anstreicher diese Arbeit.

Bei dieser alten Lehmbautechnik wurden zur Armierung unterschiedliche Weiden- oder Hasel- nussgeflechte verwendet, in die das Lehmpaket in mehreren Arbeitsgängen eingebracht wurde.


Der Lehmmörtel bestand aus einheimischem Lehm, der mit Sand „gemagert“, mit Strohhächsel angereichert und dann mit Wasser und Amoniak angeteigt wurde. Das fertiggestellte, feuchte Lehmgefach musste ca. vier Wochen durchtrocknen, um ein schadenfreies Verputzen der Gefachoberflächen zu gewährleisten.

Haselnussarmierung im Fachwerkgefüge

Die sog. „Tüncher“ verputzten nun die Gefache und verschönerten sie mit zeitbedingten Techniken. Auch waren sie bemüht, bei der farbigen Fassung des Fachwerks eine dem Gebäude angemessene Gestaltung zu verleihen. Schreiner bauten kunstvolle Türen, Fenster und Fensterverkleidungen und im Inneren fertigten sie Wandverkleidungen, Möbel und Hausrat. Dachdecker, auch Steindecker genannt, setzten dem Haus mit einem Tonziegeldach eine sprichwörtliche Krone auf. All diese Bauleute trugen durch ihre, über Jahrhunderte erprobten Arbeitstechniken am Hausbau zu einem Gesamtwerk bei, das über Jahrhunderte Bestand haben sollte.

Manfred Breitmoser und die Auszubildende Nicole Wach beim Einbringen des "Lehmschlages"

 

(c) 2002-2003 by Manfred Breitmoser, Oppershofen