Lehm im Bauhandwerk
Im Mittelalter erwies sich das Handwerk als das
gesündeste Element des Bürgertums. Es stellte eigene Gesetze auf und brachte die
deutschen Städte zur höchsten Blüte. Von Glaubensfreudigkeit erfüllt, stellte es sein
Tun und Treiben in den Dienst der Religion. Handwerk stand und steht auf festem
Grund. Handwerk hinterlässt überall, wo es tätig ist, sichtbare Spuren. Mittlerweile
hat man erkannt, dass auch das Dorfhandwerk beachtliche Kulturleistungen
hervorgebracht hat, unter denen das Bauernhaus das größte Gemein- schaftswerk
dörflichen Handwerks war. Hierbei sind vorrangig die Zimmerleute zu nennen,
durch deren Handwerkskunst diese Häuser entstanden. Die Tradition des
Fachwerkbaues reicht in Deutschland bis ins Spätmittelalter zurück. Dementsprechend
groß ist die Zahl der dörflichen Fachwerkhäuser.

Keine Bauweise ist wahrhaftiger als der Holzbau. Er zeigt nach außen deutlich
sichtbar die innere Einteilung des Hauses und sein handwerkliches Gefüge. Die Lösung,
durch unterschiedliche Konstruktionen Sicherheit und Stabilität in das Haus zu bringen
und das ganze mit vielfältigen Ausziertechniken zu versehen, verdient Bewunderung.
Das Einbringen der Lehmstakung, auch
gewöhnlicher Lehmschlag genannt, wurde in der Regel von den Hausbesitzern und
deren Familien durchgeführt. Später übernahmen Maurer, Verputzer und Anstreicher diese
Arbeit.
Bei dieser alten Lehmbautechnik wurden
zur Armierung unterschiedliche Weiden- oder Hasel- nussgeflechte verwendet, in die das
Lehmpaket in mehreren Arbeitsgängen eingebracht wurde.
Der Lehmmörtel bestand aus einheimischem Lehm, der mit Sand gemagert,
mit Strohhächsel angereichert und dann mit Wasser und Amoniak angeteigt wurde. Das
fertiggestellte, feuchte Lehmgefach musste ca. vier Wochen durchtrocknen, um ein
schadenfreies Verputzen der Gefachoberflächen zu gewährleisten.

Die sog. Tüncher
verputzten nun die Gefache und verschönerten sie mit zeitbedingten Techniken. Auch waren
sie bemüht, bei der farbigen Fassung des Fachwerks eine dem Gebäude angemessene
Gestaltung zu verleihen. Schreiner bauten kunstvolle Türen, Fenster und
Fensterverkleidungen und im Inneren fertigten sie Wandverkleidungen, Möbel und Hausrat.
Dachdecker, auch Steindecker genannt, setzten dem Haus mit einem Tonziegeldach eine
sprichwörtliche Krone auf. All diese Bauleute trugen durch ihre, über Jahrhunderte
erprobten Arbeitstechniken am Hausbau zu einem Gesamtwerk bei, das über Jahrhunderte
Bestand haben sollte.

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