Sgraffitotechnik
Der Name Sgraffito ist aus dem
italienischen sgraffare, zu deutsch kratzen, abgeleitet. Weil es meist in der
Putzfläche zur Anwendung kommt, stellt es im weiteren Sinn eine Putztechnik dar. Obwohl
die Bezeichnung Sgraffiti aus Italien stammt, findet man diese Mörteltechnik schon seit
dem 13. Jahrhundert über Deutschland verstreut.

Eine große Rolle spielte die
Sgraffitotechnik Jahrzehnte hindurch während der Renaissance in Italien. Im 16.
Jahrhundert wurde sie von den Renaissance- baumeistern nach Deutschland gebracht und von
den gestaltenden Handwerkern
mit Begeisterung aufgenommen. Als einfache Volkskunst findet man alten Kratzputz,
in der weiteren Umgebung der Wetterau sowie im Marburger Land. Auch wurde die
Putztechnik in Thüringen, in Vierlanden sowie im Engadin, Österreich und in
Siebenbürgen angewandt.
In Verbindung mit ornamentalem Schmuck
stellte diese Gestaltungstechnik eine Alternative zur üblichen Wandmalerei dar.
Neuerdings besteht ein unverkennbar gesteigertes Interesse für diese alte Technik, da man
sie sehr gut als künstlerisches Ausdrucksmittel in ihren verschiedenen Ausführungsarten
einsetzen kann. Der handwerkliche Vorgang ist denkbar einfach. Die Vorbedingungen sind die
gleichen wie bei der Freskomalerei.


Über einen groben, dünnflüssig
gehaltenen Spritzbewurf wird eine nicht zu starke Ausgleichschicht aus Breikalk und
scharfem Sand 1:3 angeworfen und nur mit der Richtlatte abgezogen. Darüber zieht man,
nicht stärker als 0,5 cm, eine Mörtelschicht von gleichem oder nur wenig kalkreicherem
Mischungsverhältnis auf, welche mit irgendeinem licht- und kalkechten Pigment
durchgefärbt ist.
Dieser Schicht folgt eine weitere, bei welcher meistens der
natürliche Mörtel- farbton belassen wird, der lediglich durch
die Farbe des Sandes verschieden ausfällt. An deren Stelle darf auch eine einfache
Kalktünche treten, die mit breiter Bürste
in 2 bis 3 Lagen aufgestrichen wird und gegebenenfalls noch abgefilzt oder mit
einer Glättscheibe sauber abgezogen wird. Der Handwerker ritzt, schneidet oder kratzt in
den frischen, weichen Putz Linien und Flächen, so dass die durchgefärbte Schicht gerade
sichtbar wird. Dazu dienen verschieden geformte Schlingen und feuergeschmiedete
Kratzeisen.
Heute wird öfters als früher von der Möglichkeit gebrauch gemacht, mehrere
verschiedenfarbige Putzschichten übereinander aufzutragen, um bessere Gestaltungs-
möglichkeiten zu erhalten. Somit ergeben sich im Prinzip drei verschiedene Arbeits-
weisen, die nach dem Willen des Künstlers frei abgewandelt und durch persönliche
Eigenheiten bereichert werden können. Diese sind: die einfache Strichtechnik, das
Flächengraffito und schließlich eine kombinierte Arbeitsweise, die in eine malerische
Art übergeht.

Vor dem Entschluss sich für ein
Wandgemälde oder ein Sgraffito zu entscheiden muss die Motivwahl geklärt und die
Wandfläche auf der das Werk entstehen soll geeignet sein. |