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Sgraffitotechnik

Der Name Sgraffito ist aus dem italienischen „sgraffare“, zu deutsch kratzen, abgeleitet. Weil es meist in der Putzfläche zur Anwendung kommt, stellt es im weiteren Sinn eine Putztechnik dar. Obwohl die Bezeichnung Sgraffiti aus Italien stammt, findet man diese Mörteltechnik schon seit dem 13. Jahrhundert über Deutschland verstreut.

Prüfungsarbeit eines einfarbigen Sgraffitos

Eine große Rolle spielte die Sgraffitotechnik Jahrzehnte hindurch während der Renaissance in Italien. Im 16. Jahrhundert wurde sie von den Renaissance- baumeistern nach Deutschland gebracht und von den gestaltenden Handwerkern
mit Begeisterung aufgenommen. Als einfache Volkskunst findet man alten Kratzputz,
in der weiteren Umgebung der Wetterau sowie im Marburger Land. Auch wurde die Putztechnik in Thüringen, in Vierlanden sowie im Engadin, Österreich und in Siebenbürgen angewandt.

In Verbindung mit ornamentalem Schmuck stellte diese Gestaltungstechnik eine Alternative zur üblichen Wandmalerei dar. Neuerdings besteht ein unverkennbar gesteigertes Interesse für diese alte Technik, da man sie sehr gut als künstlerisches Ausdrucksmittel in ihren verschiedenen Ausführungsarten einsetzen kann. Der handwerkliche Vorgang ist denkbar einfach. Die Vorbedingungen sind die gleichen wie bei der Freskomalerei.

Sgraffito St.Georg in Okarben (1988)

Detailansicht Sgraffito St.Georg in Okarben (1988)

Über einen groben, dünnflüssig gehaltenen Spritzbewurf wird eine nicht zu starke Ausgleichschicht aus Breikalk und scharfem Sand 1:3 angeworfen und nur mit der Richtlatte abgezogen. Darüber zieht man, nicht stärker als 0,5 cm, eine Mörtelschicht von gleichem oder nur wenig kalkreicherem Mischungsverhältnis auf, welche mit irgendeinem licht- und kalkechten Pigment durchgefärbt ist.

Detail einer Gruppe Wildenten in Petterweil (1985)Dieser Schicht folgt eine weitere, bei welcher meistens der natürliche Mörtel- farbton belassen wird, der lediglich durch
die Farbe des Sandes verschieden ausfällt. An deren Stelle darf auch eine einfache Kalktünche treten, die mit breiter Bürste
in 2 bis 3 Lagen aufgestrichen wird und gegebenenfalls noch abgefilzt oder mit einer Glättscheibe sauber abgezogen wird. Der Handwerker ritzt, schneidet oder kratzt in den frischen, weichen Putz Linien und Flächen, so dass die durchgefärbte Schicht gerade sichtbar wird. Dazu dienen verschieden geformte Schlingen und feuergeschmiedete Kratzeisen.


Heute wird öfters als früher von der Möglichkeit gebrauch gemacht, mehrere   verschiedenfarbige Putzschichten übereinander aufzutragen, um bessere Gestaltungs- möglichkeiten zu erhalten. Somit ergeben sich im Prinzip drei verschiedene Arbeits- weisen, die nach dem Willen des Künstlers frei abgewandelt und durch persönliche Eigenheiten bereichert werden können. Diese sind: die einfache Strichtechnik, das Flächengraffito und schließlich eine kombinierte Arbeitsweise, die in eine malerische Art übergeht.

Zweifarben-Sgraffito des hl. Martin am kath. Kindergarten in Butzbach während der Ausarbeitung (1996)

Vor dem Entschluss sich für ein Wandgemälde oder ein Sgraffito zu entscheiden muss die Motivwahl geklärt und die Wandfläche auf der das Werk entstehen soll geeignet sein.


(c) 2002-2003 by Manfred Breitmoser, Oppershofen